Geschichte

der FREIWILLIGEN FEUERWEHR BAD CAMBERG

Ein kurzer Abriss der bewegten Vergangenheit

Die Feuerläufer

Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Camberg beginnt vor über 400 Jahren mit den ersten Feuerläufern von Camberg. 1609 wurden auf einer Bürgermeisterrechnung die Feuerläufer (Vorläufer der heutigen Feuerwehr) erstmals urkundlich erwähnt. Sie rückten damals nach Villmar aus, um bei einem Großbrand „Nachbarschaftshilfe“ zu leisten. Die Stadt zahlte den Männern 1 Gulden und 3 Albus als Entschädigung. Schläuche waren zur damaligen Zeit noch nicht erfunden und so eilten die Männer mit Leitern, Einreißstangen und Eimern aus Leder oder Stroh in das 15 km entfernte Villmar.

Erst über 140 Jahre später, im Jahre 1750, bekam Camberg seine erste Feuerspritze. Das geschah unter dem Eindruck einer Feuersbrunst, der der heutige Stadtteil Schwickershausen völlig zum Opfer gefallen ist. Die Spritze wurde für 500 Gulden in der Wetterau gekauft und war noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts vorhanden.

190 Jahre nach Villmar, im Jahre 1798, bei einem Großbrand in Cambergs Stadtmitte sah es mit Feuerspritzen schon besser aus. Aus allen Himmelsrichtungen kamen die Feuerläufer mit 30 Spritzen zur Hilfe. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte Camberg eine 18 Mann starke Feuerrott, so wurde die Feuerwehr nun genannt.

„Dort wo es so häufig brannte“

… diesen Satz konnte man am 1. Dezember 1886 im „Idsteiner Anzeigeblatt“ lesen. In der Tat hat Camberg eine bewegte Geschichte. Alleine in den Jahren 1855 bis 1886 gab es mindestens neun Brände. Insgesamt sind im Stadtarchiv Berichte von 12 mehr oder weniger großen Bränden zu finden. Die größten und bekanntesten sind die Brände von 1798 und 1886.

Am 28.Oktober 1798 fiel dem ersten großen Brand fast ein Viertel der Stadt Camberg zum Opfer. Gegen 12 Uhr brach der Brand aus; schon 15 Minuten später standen vier Häuser in Flammen.  Ein Knecht soll den Brand entfacht und erst Jahre später die Tat gestanden haben. Die Stadt kam in Bewegung. Jeder versuchte seine Habseligkeiten und das Vieh zu retten. Die Feuerläufer rückten sofort mit ihrer Feuerspritze aus, doch der Wasserstrahl war wie „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Glück war, dass in jenen Tagen viele Soldaten in der Stadt lagerten, die zu Pferde sofort die umliegenden Dörfer und Städte alarmierten. Bald hatten sich über 30 Spritzen in Camberg eingefunden und gemeinsam mit den Soldaten wurde der Brand bekämpft. Bis zum Morgen des nächsten Tages wütete das Feuer und länger als acht Tage konnten sich Glutnester halten.
Die Bilanz dieses Brandes war ein Schaden von 17.012 Gulden. 27 Wohnhäuser, 13 1/2 Scheunen, 45 Ställe wurden völlig zerstört, 15 Häuser und 3 Ställe waren teilweise verbrannt und beschädigt. Glücklicherweise kamen keine Menschen und kein Vieh zu Schaden.

Gegen 21 Uhr am 26. November 1886 brach vermutlich in einer Scheune ein Brand aus. Er ging als zweiter großer Brand in die Geschichte von Camberg ein. 24 Stunden lang tobte das Feuer und verursachte einen Schaden von 81.752,80 Mark. Insgesamt fielen dem Feuer 16 Wohnhäuser, 9 Scheunen, 9 Ställe, 3 Werkstätten und 3 Remisen zum Opfer. 15 Wohnhäuser wurden teilweise beschädigt. Auch dieses Mal wurden weder Menschen noch Vieh verletzt oder getötet.

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Camberg

Dr. med. Gisbert Fluck lud am 9. Dezember 1898 die Männer der Stadt Camberg in das Lokal „Guttenberger Hof“ zur Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr ein. Fast 30 Bürger folgten dem Aufruf und im Laufe der nächsten Tage stieg die Mitgliederzahl des jungen Vereines auf 51 Aktive an. Dr. Fluck wurde der erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr.

Der 30. Juni 1899 war ein stolzer Tag für den Kommandanten. Die Feuerwehr war komplett mit Ausrüstung und Uniformen ausgestattet. Dr. Fluck ließ seine Wehr im Amthof antreten und Herr Professor Nabenauer inspizierte sie. Anschließend traf man sich im Guttenberger Hof, wo der Kommendant jedem Feuerwehrmann ein Glas Bier spendierte.

46 aktive und 36 passive Mitglieder zählte die junge Wehr zur Jahrhundertwende. Die Mitgliedsbeiträge wurden für die Aktiven auf jährlich zwei Mark festgelegt und in vier Raten kassiert. Für das Fehlen ohne Grund musste der Feuerwehrmann 25 Pfennige als Strafe zahlen. Der erste Einsatz für die Wehr ging vermutlich nach Würges. Am 7. Mai 1900 wurden die Männer der Freiwilligen Feuerwehr alarmiert und mit Spritze und Schlauchwagen zog man ohne Pferde in den Nachbarort.

Die erste Motorspritze

1932 sollte eine Motorspritze vom Typ Goliath II angeschafft werden sowie 190 Meter Schläuche – Unkosten:  DM 2460,00.  Die Nassauische Brandversicherung bot einen Zuschuss von DM 600,00, für die restlichen DM 1860,00 gewährte sie der Stadt ein Darlehen. Im März 1933 war die Kaufentscheidung seitens des Magistrats immer noch nicht getroffen und es wurde mitgeteilt, wenn Camberg die Spritze nicht abrufe, solle sie Niederselters angeboten werden. Zwei Monate später beschloss der Magistrat die Anschaffung der neuen Motorspritze. Am 25. Juli 1933, dem Tag ihrer Einweihung, begann das motorisierte Zeitalter der Freiwilligen Feuerwehr Camberg.

Jahrelang hatte der Kassierer Beiträge und Zuschüsse angespart und im Juli 1933 war es soweit. Die Kameraden der Feuerwehr konnten auf eigene Kosten ein gebrauchtes Auto, einen Sechszylinder Benz mit 50 PS, Baujahr 1923, für DM 650,00 kaufen. Das Auto tat bis 1947 der Feuerwehr gute Dienste.

Die Feuerwehr heute

Die Freiwillige Feuerwehr Bad Camberg verfügt heute über acht Fahrzeuge, ein modernes Gerätehaus und umfangreiche Ausrüstung, die von Ihren Wehrleuten gepflegt und gewartet werden.

Die Aufgaben der Feuerwehr haben sich – seit ihren ersten Vorläufern vor 400 Jahren – sehr stark verändert, das Motto ist immer das gleiche geblieben:

  „Gott zur Ehr‘ – dem Nächsten zur Wehr“