Schwerer Unfall im Baustellenbereich auf der A 3 Drei Menschen sterben im PKW, mehrere Verletzte

Am 3. September 2014 ereignete sich im Bereich einer Baustelle ein folgenschwerer Unfall, der einen umfangreichen Einsatz nach sich zog. Drei Personen kamen ums Leben, elf weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Elf weitere Unfallbeteiligte wurden von der Notfallseelsorge betreut. Einige Tage nach dem Einsatz bestand auch für die Einsatzkräfte Gelegenheit zur Aussprache mit der Notfallseelsorge.

 

Ausgangssituation Baumaßnahmen auf der A3

Zwischen den Anschlussstellen Limburg und Wiesbaden/Niedernhausen werden Brückenbauwerke, die in ihrer Grundkonstruktion aus den 30-er Jahren stammen, saniert. Dabei werden Teile der Brücken abgerissen und neu errichtet. Die Bauzeit ist mit über einem Jahr veranschlagt. An allen Brücken wird zur gleichen Zeit gearbeitet. Während die Baustellen mancher Brücken sich nur über wenige hundert Meter erstrecken, mit der Verringerung der Fahrbahnbreite, dem Entfall der Standstreifen und dem Schwenken der Fahrbahn noch überschaubare Einschränkungen darstellen, hat sich Hessen Mobil als zuständige Stelle dazu entschieden, zwischen Bad Camberg und Limburg/Lahn eine einzige, etwa fünf Kilometer lange Baustelle für drei Brücken einzurichten. Diese Baustelle wird fast täglich im Verkehrsrundfunk wegen liegen gebliebener LKWs und anderer Behinderungen, bedingt durch fehlende Standstreifen, erwähnt.

Aus diesem Grund ist auch das Bilden von Rettungsgassen nahezu ausgeschlossen.

 

Einsatztaktische Maßnahmen im Baustellenbereich

Um der geschilderten Situation einigermaßen entgegen zu wirken und den Rettungskräften eine Zufahrt in den Baustellenbereich zu ermöglichen, wurde zwischen der Brandschutzdienststelle des Landkreises und den Autobahnfeuerwehren vereinbart, im Alarmfall Bereitstellungsräume in Autobahnnähe aufzusuchen (im Fall der Bad Camberger Feuerwehr ist dies die Raststätte Bad Camberg-West). Ein ELW/KdoW der die günstigste Anfahrt in Koordination mit der entgegen kommenden Feuerwehr erkunden soll, wird voraus geschickt. Die geschilderte Situation kann nur als Notlösung und als Reaktion auf vollendete Tatsachen angesehen werden. Im Vorfeld der Einrichtung der Baustellen wurden die Brandschutzdienststelle des Landkreises Limburg-Weilburg und die Autobahnfeuerwehren durch Hessen Mobil nicht eingebunden. Diskussionen bereits vor dem Unfall in der örtlichen Presse verdeutlichten, dass die gewählte Trassenführung bei Verkehrsteilnehmern auf Unverständnis stieß. Alternative Anfahrmöglichkeiten für Rettungskräfte sind die Gegenfahrbahn (bei gesicherter Meldung der Sperrung!) oder die parallel verlaufende Bundesstraße B 8.

 

Unfallhergang

Am Mittwoch, dem 3. September 2014 befuhr ein silberfarbener BMW im Baustellenbereich die in Richtung Frankfurt führende Fahrbahn. Auf dieser Richtungsfahrbahn ist auch eine entgegen kommende Spur eingerichtet, die mit einem provisorischen Fahrbahnteiler aus Metall von den übrigen abgetrennt ist. Das Auto schleuderte über diese Leitplanke und kollidierte mit mehreren entgegen kommenden Fahrzeugen. Dabei wurde der BMW in der Mitte zerrissen. Das Auto war mit Großmutter, Mutter, zwei Enkelinnen und einem Enkel besetzt. Die Großmutter und eins der Mädchen verstarben an der Unfallstelle, ein weiteres wenig später. Die 29-jährige Fahrerin, Mutter der Kinder und der Junge wurden schwer verletzt. Schwer verletzt wurden auch drei Personen aus den entgegen kommenden Fahrzeugen und mehrere leicht. Insgesamt standen letztendlich 22 beteiligte Personen fest, davon 11 Verletzte.

 

Einsatzablauf

Die Alarmierung der Einsatzkräfte durch die Zentrale Leitstelle Limburg-Weilburg erfolgte ab 18:59 Uhr.

Alarmiert wurden vier RTH, die Feuerwehr Bad Camberg, der KBI, vier RTW, LNA und OLRD, das DRK OV Bad Camberg, die Notfallseelsorge, ergänzend die Feuerwehr Limburg und später das Kriseninterventionsteam des benachbarten Rheingau-Taunus-Kreises, das von der Feuerwehr Idstein gebracht wurde.

Die Entscheidung der Zentralen Leitstelle, direkt die Rettungshubschrauber anzufordern, kam unter anderem durch die Anwesenheit des zweiten stellvertretenden Stadtbrandinspektors aus Bad Camberg zu Stande, der mit seinem privaten Fahrzeug unmittelbar hinter dem Unfallgeschehen unterwegs war. Da er auch ausgebildeter Rettungssanitäter ist, konnte er der Leitstelle zeitnah präzise Angaben über die Anzahl der Verletzten, Art der Verletzungen und Verkehrssituation machen.

Bedingt durch die oben geschilderten Schwierigkeiten bei der Anfahrt erreichten die Fahrzeuge die Einsatzstelle erst, nachdem alle RTHs bereits eingetroffen waren. Aufgrund widersprüchlicher Meldungen über eine Totalsperrung beider Richtungen wurde die Anfahrt nicht über die Gegenfahrbahn gewählt.

Von der Feuerwehr wurden verletzte und getötete Personen aus Fahrzeugen befreit und der Rettungsdienst unterstützt.

Da sich der Einsatz über beide Richtungsfahrbahnen, die dann später im Verlauf voll gesperrt worden waren erstreckte, diente die Rettungsplattform als Verbindungsbrücke. Eine entstandene Benzinlache wurde abgebunden und der Brandschutz sichergestellt.

Bei solchen Einsätzen ist erfahrungsgemäß damit zu rechnen, dass nicht beteiligte Verkehrsteilnehmer über Stunden im Stau stehen. Die Einsatzkräfte entfernten daher die Fahrbahnteiler auf eine Länge von rd. 15 m, um ein Wenden der Fahrzeuge und somit den Abfluss des Verkehrs zu ermöglichen. Allerdings waren auch sämtliche tangierenden Landstraßen ebenfalls überlastet.

Während die meisten Einsatzkräfte aus Limburg zeitnah wieder zurückkehren konnten, wurde deren Flutlichtmastfahrzeug zusammen mit den Bad Camberger Fahrzeugen zur Ausleuchtung benötigt.

Sieben Unfallbeteiligte transportierte das Bad Camberger MTF zu einer Unterkunft in Limburg zur Betreuung und Übernachtung.

Elf weitere Beteiligte sowie 15 angereiste Angehörige wurden im Feuerwehrhaus Bad Camberg durch das Kriseninterventionsteam des benachbarten Rheingau-Taunus-Kreises und Feuerwehrleute betreut.

Der Einsatz endete am nächsten Morgen um 04:10 Uhr

 

Schlussbetrachtung

Von der Polizei wurden Verkehrsteilnehmer beobachtet, die das Unfallgeschehen mit Handys gefilmt haben. Abgesehen vom moralischen Aspekt führt dies zu weiteren Verzögerungen, da diese modernen Gaffer für ihre Tätigkeit das Tempo im Vorbeifahren drosseln. Möglichkeiten, dem Tun entgegen zu wirken bestehen kaum.

Der Kreistag des Landkreises Limburg-Weilburg hat im Oktober 2014 den Kreisausschuss beauftragt, beim hessischen Verkehrsministerium und bei Hessen Mobil auf eine sinnvolle Koordinierung der Baustellen auf der Autobahn hinzuwirken. Im Jahr 2015 werden entsprechend der jetzigen Maßnahmen nämlich die Brückenhälften der anderen Richtungsfahrbahn saniert.

Als hilfreich hat sich ein wenige Tage nach dem Unfall anberaumtes Gespräch für die Einsatzkräfte mit Mitarbeitern der Notfallseelsorge erwiesen.

 

Text: Helmut Thies, FFW Bad Camberg

Fotos: FFW Bad Camberg, Hessische Polizeifliegerstaffel

Fotos Feuerwehr Bad Camberg:

P1010016

Drei der vier gelandeten Rettungshubschrauber, die wegen der schlechten Erreichbarkeit der Einsatzstelle direkt durch die Zentrale Leitstelle Limburg-Weilburg angefordert worden waren.

P1010029

Der Unfall wurde durch den BMW verursacht. Drei Menschen starben. Das Fahrzeug zerriss in zwei Hälften.

 

Fotos Hessische Polizeifliegerstaffel:

_QEF6821

Übersichtsaufnahme der Unfallstelle

_QEF6836

Der Fahrbahnteiler wird durch die Feuerwehr entfernt, um den seit Stunden im Stau stehenden Verkehrsteilnehmern die Umkehr zu ermöglichen.